Ein nationaler Trail-Pass: Chancen nutzen, Bewährtes adaptieren – unsere Perspektive

Die Finanzierung und der nachhaltige Unterhalt von Bike-Infrastruktur bewegen die Schweizer Mountainbike-Szene intensiv. In den letzten Monaten haben sich verschiedene Arbeitsgruppen und Akteure mit Modellen für einen überregionalen Trail-Pass auseinandergesetzt. Um Transparenz zu schaffen und Missverständnissen vorzubeugen, legen wir unsere Ideen und unser Konzept nun öffentlich als Diskussionsbeitrag dar: Wie stärken wir die lokalen Trailbau-Vereine, wie vermeiden wir teure Fehlentwicklungen und wie schaffen wir eine praxistaugliche Lösung für die gesamte Schweiz?

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Warum wir unsere Haltung öffentlich machen

Die Idee eines Bike-Passes nach dem Vorbild des Schweizer Loipenpasses liegt auf der Hand: Wer gebaute Infrastruktur nutzt, leistet einen solidarischen Beitrag an deren Pflege. In den vergangenen zwei Jahren gab es dazu intensive Debatten.

In gemeinsamen Workshops und Prozessen zur Strukturierung der Szene wurden verschiedene Modelle erörtert. Dabei stand unter anderem der Vorschlag im Raum, Einnahmen zentral über einen Dachverband einzuziehen und danach an die Vereine umzuverteilen. Viele Vereine – darunter auch Trailnet – haben diesem Modell eine klare Absage erteilt. Ein zentraler Umverteilungstopf birgt das Risiko von bürokratischem Mehraufwand, Intransparenz und dem Verlust der finanziellen Eigenständigkeit an der Basis.

Als das Thema im Rahmen von NRP-Projekten (Neue Regionalpolitik) und an Verbandsversammlungen ohne vorgängigen Konsens weiter forciert wurde, war für uns klar: Statt unvollständiger Absprachen braucht es ein tragfähiges, transparentes Modell auf Augenhöhe. Aus diesem Grund haben wir ein eigenständiges Konzept erarbeitet, das wir nun mit der gesamten Community und allen Organisationen teilen.

1. Finanzielle Autonomie & Mitbestimmung: Mittel für echte Macher

Ein nationaler Trail-Pass darf lokale Vereine nicht entmachten oder zu Bittstellern degradieren. Wenn Bikerinnen und Biker einen Pass lösen, muss der Ertrag leistungsgerecht dort ankommen, wo gebaut, verhandelt und gepflegt wird:

  • Gezielte Zuweisung: Nutzerinnen und Nutzer entscheiden beim Kauf transparent: «Ich fahre in Region X oder unterstütze Verein Y».
  • Direkter Geldfluss: Grundbeiträge fliessen direkt an die jeweilige Trägerschaft – ohne zehrende Abzüge über zentrale Umwege.
  • Vereinsbindung stärken: Die Mitgliedschaft im lokalen Verein und der Trail-Pass müssen zusammen gedacht werden, damit die regionale Identifikation nicht verloren geht.
  • Mehr Mittel für die Macher (über die reine Mitgliederzahl hinaus): Sehr viele Bikerinnen und Biker im Kanton Bern und schweizweit werden den Trail-Pass lösen, ohne Mitglied in einem spezifischen Ortsverein zu sein. Dieses Potenzial darf nicht in Verwaltungen versickern. Vereine und Institutionen, die tatsächlich Schaufelstunden leisten und Trails realisieren, müssen aus diesem Gesamtertrag spürbar mehr Gelder erhalten, als ihre reine Mitgliederkartei einbringen würde.
  • Gemeinsame Mitbestimmung statt Verbandsdiktat (Modell Stiftung / Fonds): Wie überregionale Gelder verteilt und investiert werden, darf keine einzelne Verbandsspitze bestimmen. Denkbar ist eine gemeinsame, neutrale Trägerschaft (beispielsweise in Form einer Stiftung oder eines paritätischen Trail-Fonds): Hier sitzen die aktiven Vereine und Player gemeinsam am Tisch und entscheiden partnerschaftlich auf Augenhöhe, welche konkreten Trail-Projekte und dringenden Sanierungen finanziert werden.

2. Technologie: Bestehende Schweizer Standards statt eigener App

Eine massgeschneiderte, neu programmierte Smartphone-App klingt zeitgemäss, bedeutet für Vereine jedoch ein unkalkulierbares Kosten- und Betriebsrisiko. Entwicklung, Updates für iOS und Android, laufender Support und Sicherheitsanforderungen verschlingen hohe Summen, die auf den Trails fehlen. Zudem zeigen die Erfahrungen aus den Skigebieten: Im Outdooreinsatz scheitern reine Smartphone-Zutritte oft an Kälte, leeren Akkus oder Funklöchern.

Wir setzen daher auf eine bewährte, schweizweit etablierte Vertriebsstruktur:

  • Modell Ticketcorner (oder ähnlicher Anbieter): Die Struktur «Region wählen -> Ticket laden» ist gelernt, technisch ausgereift und manipulationssicher. Jeder noch so kleine Verein erhält sofortigen Zugang zu professionellem Ticketing ohne eigene Investitionskosten.
  • Kompatibel mit SwissPass & RFID: Wer bereits eine Trägerkarte besitzt (wie den SwissPass oder eine Skicard), schaltet den Trail-Pass einfach darauf auf.
  • Nahtlose Bahn-Integration: Das System funktioniert direkt an den Zutrittsschranken von Seilbahnen, Bergbahnen und Standseilbahnen (wie der Gurtenbahn oder der Biel-Leubringen-Bahn).

3. Das Marketing-Ökosystem: Eine echte Win-Win-Situation

Ein nationaler Pass entfaltet seine Stärke, wenn er über den reinen Trail-Beitrag hinaus echten Mehrwert stiftet. Durch strategische Partnerschaften verbinden wir Sport, Industrie und Tourismus:

  • Vorteile für Mitglieder: Passinhaber:innen profitieren von Vergünstigungen, Aktionen und exklusiven Angeboten bei Bike-Destinationen, Bergbahnen und führenden Sportfachhändlern.
  • Refinanzierung der Plattform: Durch Sponsoring, Marketingpartnerschaften und Cross-Promotion tragen sich die administrativen Kosten des Systems weitgehend selbst. Der maximale Anteil der Pass-Erlöse fliesst ungeschmälert in den Trailbau und -unterhalt.
  • Partner für die Industrie: Für Hersteller, Händler und Tourismusregionen entsteht ein verlässlicher, authentischer Kanal zu einer sportbegeisterten Zielgruppe.

Unser Fazit: Pragmatisch, unabhängig, national

Ein Schweizer Trail-Pass wird dann Realität, wenn er nicht von oben herab verordnet wird, sondern den Bedürfnissen der lokalen Trägerschaften gerecht wird. Unser Ansatz zeigt, dass eine nationale Lösung weder teure Software-Experimente noch zentralisierte Umverteilung braucht.

Wir laden alle Vereine, Verbände, Tourismuspartner und Biker:innen ein, unsere Idee zu prüfen und gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten, die das Trailnetz in der ganzen Schweiz nachhaltig sichert.

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